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Tagesausflug nach Paris (Oktober 2008)

Streckenkarte

Zugegeben, ein Tagesausflug nach Paris klingt verrückt, aber die neuen schnellen Verbindungen von ICE und TGV machen das möglich. Da ich gerne beide Strecken und Fahrzeuge kennenlernen möchte, habe ich für die Hinfahrt den ICE über Saarbrücken und für die Rückfahrt den TGV über Strasbourg gewählt. Früh aufstehen ist angesagt, um 5.30 Uhr geht’s am Bodensee los, zunächst mit der Schwarzwaldbahn nach Offenburg. Als es langsam hell wird, fahren wir durch eine verschneite Schwarzwaldlandschaft - das hätte ich Ende Oktober auch nicht erwartet.

Eigentlich habe ich großzügige Übergänge ganz gerne, wenn man nicht um den Anschluss zu bangen braucht, in einem größeren Bahnhof einen Lounge-Besuch einplanen oder Proviant kaufen kann. Aber 40 Minuten in Offenburg sind doch recht lang und Lounge oder größere Geschäfte gibt es im Bahnhof Offenburg auch nicht. Und so bin ich froh, als dann pünktlich der ICE Richtung Köln kommt. Die wiederkehrende Sitzplatzzuordnung bei Reservierungen ist sicherlich gut gemeint - aber ich sitze ab Offenburg grundsätzlich rückwärts. Egal, die Strecke durch die Oberrheinebene ist ja nicht lange und ich bin sie ja auch schon oft gefahren. Auch der 1.Klasse-Service stimmt, es gibt Zeitungen, Am-Platz-Service und Hanuta.

Auf dem Bahnsteig in Mannheim ist es kalt und zugig, aber der ICE 9556 nach Paris Est kommt ja bald. Im grenzüberschreitenden Verkehr ist in der 1. Klasse eine kleine Mahlzeit im Preis inbegriffen. Zwischen Mannheim und Kaiserslautern wird dann allen Paris-Reisenden am Platz ein Frühstück serviert (2 Brötchen, Wurst, Käse, Honig, Marmelade, Orangensaft, Joghurt, Kaffee - das meiste zwar abgepackt, aber immerhin Kaffee im Porzellanbecher und richtiges Besteck). Kurz darauf gibt es dann noch 1.-Klasse-Makadamia-Nüsse.

Ab Saarbrücken fährt der Zug dann nonstop 377 Kilometer bis Paris. Nachdem es erst gemütlich durch die Pfalz ging, beginnt ab Baudrecourt jetzt die große Fahrt über die LGV Est européenne. Die Schnellfahrstrecke verbindet Ostfrankfreich mit Paris. Ich schaue immer wieder auf das Display, aber schade, dass es nur auf 319 km/h klettert, die 320 hätte ich schon gerne gesehen. Im Audioprogramm singt Rosenstolz "Welcher Zug nimmt mich mit und bring mich nicht zurück" - etwas makaber, wenn man mit 319 km/h durch die Landschaft rast und die Diskussion um die Sicherheit der Achsen im Kopf hat...
Als ich mich später Richtung Panorama-Lounge aufmache, fällt mir deutlich auf, dass das Reservierungssystem den Zug von der Mitte her füllt. Wagen 27 ist gut gefüllt, vorne im Wagen 28 ist es deutlich leerer. Ich schaue dem Lokführer noch etwas über die Schulter und 3 Minuten vor Plan erreichen wir dann Paris.

Der Eiffelturm im Dunst
Der Eiffelturm im Dunst

Triumphbogen
Triumphbogen

Nach einer Sightseeingtour durch Paris geht es um 17.24 Uhr über die Südroute (Paris-Stuttgart) zurück. Es ist meine erste Fahrt im TGV, ich kannte bisher nur den Thalys. Optisch kann der TGV von der Inneneinrichtung sicherlich nicht mit dem ICE mithalten, aber die Sitze finde ich sehr bequem und die Atmosphäre gemütlich.

Dann wird auch hier eine Mahlzeit serviert, es gibt "Kartoffelsalat mit Cervelatwurst, gewürzt mit Schalotten und Schnittlauch, Farandole aus grünem Gemüse, Mango und Hühnchenstreifen, überstreut mit fein gehacktem Koriander, als Dessert zarter Schokoladenbiskuit auf einem Bett von karamellisieren Sauerkirchen", dazu Wein oder Bier und später noch Kaffee oder Tee. Das Essen kommt in einer Kartonbox und die Getränke im Pappbecher.

Bis Baudrecourt geht es wie auf der Hinfahrt über die 2007 fertiggestellte Hochgeschwindigkeitsstrecke, dann geht es über die Altstrecke nach Strasbourg. Von Paris bis Strasbourg fährt der Zug in Doppeltraktion, der hintere Zugteil bleibt in Strasbourg stehen.
Dieser hintere Zugteil hatte mir tariflich groß en Ärger gemacht. Denn das Buchungssystem zieht bei einer Verbindungsanfrage mit Umstieg in Strasbourg den hinteren, innerfranzösischen TGV mit der Auswirkung, dass es "unbekannter Auslandstarif" wird. An Tagen, an denen der Zugteil fehlt (oder nicht im DB-System eingepflegt ist), kann die Verbindung dagegen bepreist werden. Um mir dennoch ein Europa-Spezial zu sichern, habe ich dieses mit dem Umweg über Karlsruhe gebucht. Da ich somit Zugbindung bis Karlsruhe hatte, muss ich Strasbourg-Appenweier nachlösen (das sind mir die 2 Stunden Zeitersparnis wert, die der direkte Weg bringt). Mit einem Regio-Shuttle der Ortenau-S-Bahn geht es dann über den Rhein nach Offenburg und von hier mit der Schwarzwaldbahn zurück an den Bodensee.

Hätte der Zugbegleiter in der Schwarzwaldbahn mich ärgern wollen, hätte er bei strenger Tarifauslegung das Ticket beanstanden können, denn es gibt zwar im Nahverkehr keine Zugbindung, aber bei Einhaltung der Zugbindung bis Karlsruhe hätte ich so früh gar nicht in diesem Zug sitzen können und das Kriterium "nach gebuchtem Zug" war nicht erfüllt - wollte er aber nicht.

Und so sind wir gegen 23.15 Uhr auf die Minute pünktlich wieder am Ausgangspunkt angekommen und kann auf einen tollen Ausflug zurückblicken, bei dem einfach alles gepasst hat, Pünktlichkeit und Service waren top! Nur das Wetter war Mist - aber da war ich selber schuld, warum muss ich die Tour auch Ende Oktober machen…

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