Am Wochenende des dritten Advents unternehmen wir eine vorweihnachtliche Reise zwischen Schwarzwald und Lothringen. Zu den Zielen gehören die verkehrsroten Triebwagen der französischen Bahn im grenzüberschreitenden Verkehr, die 'Tramway de Nancy' und der Weihnachtsmarkt zu Füßen der Ravennabrücke an der Höllentalbahn.

Reiseroute
Wir reisen auf der Schwarzwaldbahn von Allensbach nach Offenburg und im Fernverkehr über Mannheim nach Saarbrücken. Anschließend queren wir die Grenze zu Frankreich und fahren über Forbach und Metz nach Nancy. Am zweiten Reisetag wählen wir eine Route von Nancy nach Straßburg und Freiburg sowie über die Höllentalbahn zurück an den Bodensee.
Wir beginnen die Tour am Samstagmorgen in Allensbach am Bodensee. Es ist nass-kalt und Schnee ist angekündigt, in höheren Lagen ist es bereits weiß. Am Bodensee dominiert noch der Regen, bereits im Hegau liegt jedoch Schnee und uns erwartet eine Fahrt auf der Schwarzwaldbahn durch ein wunderbares Winter-Wunderland.

Einfahrt eines Zugs der Schwarzwaldbahn in Allensbach

Blick vom Zug auf den Weiler Talmühle bei Engen

Fahrt durch den verschneiten Schwarzwald

Schneetreiben in Hornberg

Fahrt durch das Gutachtal
Mit Erreichen der oberrheinischen Tiefebene ist es mit der Winterpracht vorbei, das Schneegebiet lag nur über dem südlichen Schwarzwald. Von Offenburg fahren wir mit einem ICE 4 nach Norden, die Fahrt führt uns durch die Rheinebene bis nach Mannheim.

Einfahrt eines ICE 4 in den Bahnhof Offenburg

Erste Klasse im ICE 4

Lebkuchen 'Lieblingsgast'

Blick aus dem Zugfenster in der oberrheinischen Tiefebene
In Mannheim wechseln wir auf einen ICE der Baureihe 407 (Velaro D) nach Westen, der Zug fährt nach Paris, wir werden jedoch nur bis Saarbrücken mitfahren. Bei Sonnenschein und blauem Himmel fahren wir durch den Oberrheingraben, an der Weinstraße und kurvenreich durch den Pfälzerwald sowie durch die Ebene des Landstuhler Bruchs.

Einfahrt eines ICE der Baureihe 407 in den Bahnhof Mannheim

Erste Klasse im ICE der Baureihe 407

Fahrt am Haardtrand

Blick aus dem Zugfenster auf die Ebene des Landstuhler Bruchs
In Saarbrücken bleibt Zeit für einen kleinen Stadtrundgang zum Rathaus und an die Saar. Das Rathaus St. Johann ist das größte neogotische Profangebäude des Saarlandes. St. Johann war früher eine eigenständige Stadt, seit 1909 ist der Ort ein Stadtteil von Saarbrücken.
Der Weg führt uns schließlich zurück zum Hauptbahnhof von Saarbrücken, der seit der Modernisierung für die Aufnahme des Hochgeschwindigkeitsverkehrs von Paris nach Frankfurt den Beinamen 'Eurobahnhof' trägt.

Rathaus St. Johann Saarbrücken

Saar in Saarbrücken

Eurobahnhof
Für die Weiterfahrt nach Frankreich treffen wir auf ein außergewöhnliches Fahrzeug, nämlich einen roten Triebwagen, den man aufgrund seiner Farbgebung für einen Regionalzug der Deutschen Bahn halten könnte. Für den grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich wurden von der französischen Bahn 19 Fahrzeuge des Typs X 73900 beschafft, die überwiegend im grau-blauen Farbschema der SNCF unterwegs sind. Zwei der Fahrzeuge wurden vom Saarland bezahlt und abweichend verkehrsrot lackiert. Somit handelt es sich um französische Züge im Farbkleid der Deutschen Bahn.

Dieseltriebwagen der Baureihe X 73900 der SNCF
Die Dieseltriebwagen tragen aufgrund ihrer Bauform den Spitznamen 'Wal(-fisch)'. Zur Fahrt nach Forbach steht ein Pärchen aus einem blauen ('Baleine bleue' / Blauwal) und einem roten Dieseltriebwagen bereit. In der SNCF Connect-App wird auch die korrekte Lackierung der eingesetzten Fahrzeuge angezeigt. Mit dem Zug queren wir erst die Saar und wenig später die deutsch-französische Grenze. Nach kaum zehn Minuten haben wir mit Forbach die Endstation des Zugs erreicht.

Darstellung der eingesetzten Fahrzeuge in der App 'SNCF Connect'

Innenraum Dieseltriebwagen der Baureihe X 73900

Fahrt über die Saar in Saarbrücken
Zeitgleich mit unserem Zug aus Saarbrücken rollt in den Bahnhof Forbach ein Regionalzug aus Metz ein, mit dem wir wenig später dorthin zurückfahren. Der Grenzbahnhof Forbach wird vielen internationalen Reisenden als Übergang 'Forbach(fr)' bekannt sein. Etwa fünfzig Minuten dauert die Fahrt auf der sanft geschwungenen Strecke durch eine überwiegend flache Landschaft Lothringens.

Bahnhof Forbach

Triebzug der Baureihe Z 27500 in Forbach

Erste Klasse im Triebzug der Baureihe Z 27500

Fahrt durch Lothringen

Blick vom Zug auf das Dorf Arriance mit der Kirche St. Franziskus von Assisi aus dem 18. Jahrhundert
Der Bahnhof von Metz ist der letzte Umsteigehalt am heutigen Tag, nach einem Blick in die Empfangshalle geht es auf Gleis 1 weiter, wo ein Doppelstocktriebzug des Typs 'Coradia Duplex TER' mit Fahrtziel Nancy einfährt. Die letzte Etappe führt für weite Strecken parallel zur Mosel.

Empfangshalle im Bahnhof Metz

Doppelstocktriebzug der Baureihe Z 26500 im Bahnhof Metz

Innenraum Triebzug der Baureihe Z 26500

Fahrt von Metz nach Nancy entlang der Mosel
Gegen 16 Uhr erreichen wir unser Tagesziel Nancy. Nancy ist die historische Hauptstadt des Herzogtums Lothringen, die 100.000-Einwohner-Stadt hat eine sehenswerte Innenstadt. Mit der 'Tramway de Nancy' fahren wir ins Zentrum. In der Vorweihnachtszeit steht Nancy ganz im Zeichen des Nikolaus-Fests, der Weihnachtsmarkt heißt hier 'Grand Village de Saint-Nicolas'.

Fahrzeug der Tramway de Nancy im Zentrum von Nancy

Nikolausdorf zu Füßen der barocken Pfarrkirche Saint-Sébastien

Bummel durch das Nikolausdorf

Weihnachtsstimmung in der Innenstadt von Nancy
Der bekannteste Ort in Nancy ist der Place Stanislas, ein klassizistisches Ensemble im Zentrum. Der repräsentative Platz wurde 1983 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Abends verleihen die illuminierten Gebäuden dem Platz einen besonderen Glanz, der vom Weihnachtsbaum in der Mitte des Platzes gekrönt wird. In der Adventszeit gibt es abends eine Licht- und Tonshow, die auf die Fassade des Rathauses projiziert wird, sie ist dem heiligen Nikolaus gewidmet. Zum Abschluss des Tages genießen wir den Ausblick von einem Riesenrad über die Stadt.

Weihnachtsbaum auf dem Place Stanislas Nancy

Nikolausshow auf der Fassade des Rathauses



Blick vom Riesenrad über den Place de la Carrière zum Palais du Gouvernement

Blick über den Triumphbogen Arc Héré zum Place Stanislas und zur Kathedrale
Den Vormittag des zweiten Reisetags widmen wir der 'Tramway de Nancy'. Seit 1982 gibt es in Nancy einen Oberleitungsbus, der im Jahr 2001 abschnittsweise auf spurgeführten Betrieb umgestellt wurde. Es gibt nur eine Linie, die T 1 verläuft als Durchmesserlinie durch die Stadt. Wir besteigen am Bahnhof eines der Fahrzeuge des Systems TVR des Herstellers Bombardier. Diese Mischung aus Oberleitungsbus und Straßenbahn gibt es nur hier in Nancy. Die 'Tramway sur pneumatiques' wird mittels einer in der Fahrbahnmitte eingelassenen Leitschiene in der Spur gehalten. Die Linie ist gut elf Kilometer lang, sie wird an Wochentagen im Fünf-Minuten-Takt bedient, am Sonntag alle zwanzig Minuten. Wir fahren durch das Zentrum und über den Rhein-Marne-Kanal bis zu einer Haltestelle außerhalb des Zentrums.

Fahrzeug der Tramway de Nancy an der Haltestelle am Bahnhof

Innenraum Tramway de Nancy

Fahrt über den Rhein-Marne-Kanal in Nancy
Die Spurführung gibt es nur im zentralen Bereich und an den Wendeschleifen, auf den übrigen Abschnitten werden die Fahrzeuge manuell gelenkt und fahren wie konventionelle Oberleitungsbusse im Straßenverkehr. Daher haben sie eine Straßenzulassung und tragen KFZ-Kennzeichen. In einem solchen spurlosen Abschnitt wechseln wir auf eine stadteinwärts fahrende Tramway und fahren durch die Innenstadt auf den anderen Außenast bis zur Haltestelle Callot.

Tramway de Nancy im Straßenverkehr ohne Leitschiene

Innenraum Tramway de Nancy

Fahrt über die Bahnsteige am Bahnhof Nancy
An der Haltestelle Callot befindet sich eine Aus- und Einfädelstelle. Die Tramway, mit der wir angekommen sind, verlässt die Haltestelle und hält einige Meter weiter kurz an, um die Führungsrollen einzuziehen (dédropage), die Leitschiene endet unter dem Fahrzeug. Die Tramway fährt von hier als Oberleitungsbus weiter.

Ausfädelung (dédropage) an der Haltestelle Callot
Anschließend beobachten wir auf der anderen Straßenseite, wie der entgegenkommende Bus in die Einfädelstelle einfährt und dort anhält, um die Führungsrollen herabzulassen (dropage). Mit dem Fahrzeug fahren wir zurück zum Bahnhof. Es gab Pläne, die Linie auf eine klassische Straßenbahn umzustellen, da das System TVR nicht mehr angeboten wird. Das Projekt wurde jedoch gekippt, stattdessen wurden Doppelgelenk-Oberleitungsbusse bestellt, die ab April 2024 ausgeliefert werden sollen.

Einfädelstelle an der Haltestelle Callot
Am Bahnhof von Nancy treten wir die erste Etappe der Heimreise an. Mit einem TGV Réseau fahren wir nach Straßburg, es ist eine angenehme ruhige Fahrt, wenn auch landschaftlich nicht besonders aufregend. Interessant ist der Abschnitt rund um Saverne, wo die Bahnstrecke und der Rhein-Marne-Kanal parallel durch die Ausläufer der Vogesen verlaufen.

Bahnhof Nancy Ville

Empfangshalle im Bahnhof Nancy

Einfahrt eines TGV Réseau in den Bahnhof Nancy

Erste Klasse im TGV Réseau

Fahrt durch Lothringen

Blick vom Zug auf den Rhein-Marne-Kanal
In Straßburg legen wir eine Mittagspause ein und unternehmen einen Stadtbummel über die Weihnachtsmärkte in der Stadt. Der Weg führt uns vom Place Kléber über das Strasburger Münster bis zum Ufer der Ill.

Weihnachtsbaum auf dem Place Kléber in Straßburg

Straßburger Münster

Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz

Ill in Straßburg
Schließlich machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, dessen denkmalgeschütztes Empfangsgebäude seit dem Jahr 2007 mit einer Glaskuppel umgeben ist. Von dort fahren mit einem TGV nach Freiburg. Die Verbindung mit TGV 9406 ist neu und verkehrt an diesem Tag des Fahrplanwechsels erstmals von Bordeaux nach Freiburg, der Zug wird in Deutschland eigenwirtschaftlich von der SNCF betrieben. Wir fahren zwischen Straßburg und Kehl über den Rhein und durch die Ortenau nach Offenburg, weitere Halte sind Lahr und Ringsheim (Europa-Park). Auf der Fahrt in den Süden wandelt sich das Bild vor dem Zugfenster, im Breisgau herrscht Winter und es wird zunehmend weiß draußen.

Bahnhof Straßburg

Einfahrt eines TGV Duplex in den Bahnhof Straßburg

Zuglaufanzeige des TGV 9406 Bordeaux-Freiburg

Erste Klasse im Oberdeck des TGV Duplex

Fahrt über den Rhein zwischen Straßburg und Kehl

Blick aus dem Zugfenster in der Ortenau

Fahrt durch den winterlichen Breisgau

Querung der Elz

Ankündigung des Halts Freiburg auf dem Display im Zug
Nach der Ankunft im Hauptbahnhof Freiburg wechseln wir auf einen Zug der S 10 ins Höllental. Auf der Linie der Breisgau-S-Bahn kommen Triebzüge des Typs Coradia Continental (Baureihe 1440) zum Einsatz. Durch das verschneite Dreisamtal fahren wir bis zum Bahnhof Himmelreich.

Erste Klasse im Coradia Continental-Triebzug der Breisgau-S-Bahn

Fahrt durch das Dreisamtal

Coradia Continental-Triebzug nach der Ankunft am Bahnhof Himmelreich
Am Bahnhof Himmelreich starten die Shuttlebusse für angemeldete Besucher des Weihnachtsmarkts in der Ravennaschlucht. Mit dem Bus fahren wir parallel zu den Gleisen durch das Höllental. Die Ravennaschlucht liegt zwar an der Bahnstrecke, es gibt in der Nähe der Schlucht jedoch keine Bahnstationen.

Bahnhof Himmelreich

Busfahrt entlang der Höllentalbahn
Der Weihnachtsmarkt findet beim Hofgut Sternen zu Füßen der imposanten Ravennabrücke statt. Die Bahnbrücke überspannt den Ausgang der Ravennaschlucht. Das Steinviadukt mit neun Bögen ist 36 Meter hoch, 224 Meter lang und überwindet eine Steigung von 12 Metern. Sie ist die einzige beheizbare Brücke der Deutschen Bahn.

Zugang zum Weihnachtsmarkt unter der Ravennabrücke

Illuminierte Säge in der Ravennaschlucht

S-Bahn auf der Ravennabrücke
Die heutige Ravennabrücke wurde in den Jahren 1926-1927 erbaut, zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Brücke von deutschen Pionieren gesprengt und ab 1946 unter Aufsicht der französischen Besatzungsmacht wieder aufgebaut, damit Holz aus dem Schwarzwald als Reparationsleistung abtransportiert werden konnte.
Die heutige Steinbrücke hatte einen Vorgängerbau mit Stahlfachwerkoberbau, der nach Plänen von Robert Gerwig errichtet worden war. Von der alten Ravennabrücke sind noch die Widerlager erhalten, die ebenfalls illuminiert sind.

Altes Widerlager (hier blau illuminiert) der früheren Ravennabrücke

Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht

Kuckucksuhr beim Hofgut Sternen
Wir fahren heute nicht mit dem Zug über das Ravennaviadukt, sondern nutzen für die Weiterfahrt einen Shuttlebuss parallel zur Bahnlinie nach Hinterzarten. In Hinterzarten bleibt Zeit für einen kleinen Rundgang um den Bahnhof der Schwarzwaldgemeinde, anschließend fahren wir mit der S 10 nach Villingen.

Winterstimmung in Hinterzarten

Bahnhof Hinterzarten

Einfahrt der S 10 in den Bahnhof Hinterzarten

Erste Klasse im Coradia Continental-Triebzug
Eigentlich sieht der Fahrplan in Donaueschingen den Umstieg auf die Schwarzwaldbahn in Richtung Konstanz vor. Da der Zug nach Konstanz jedoch etwas Verspätung hat, fahren wir dem Zug nach Villingen entgegen. Die letzte Etappe führt uns im Doppelstockwagen der Schwarzwaldbahn zurück an den Bodensee.

Weihnachtsbaum vor dem Bahnhof Villingen

Einfahrt eines Zugs der Schwarzwaldbahn in den Bahnhof Villingen

Erste Klasse im Zug der Schwarzwaldbahn
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