Wir unternehmen eine viertägige Rundfahrt mit einem neuen Fernverkehrszuglauf, über einstellungsgefährdete Strecken und mit dem Besuch bei einem Kuriosum. Auf dem Reiseplan stehen die IC-Linie 34 Frankfurt-Münster, das 'Sylt Shuttle plus', die Bahnstrecke Neustadt(Dosse)-Meyenburg sowie der Probebetrieb auf der Schorfheide-Bahn zwischen Templin und Joachimsthal in Brandenburg.

Reiseroute
Wir fahren von Konstanz über Frankfurt sowie die Dill- und die Ruhr-Sieg-Strecke nach Münster. Am zweiten Reisetag sind wir unterwegs nach Westerland auf Sylt und weiter nach Kiel. Der dritte Tag führt uns in die Prignitz, am Abend besuchen wir die Gelenktriebwagen der ODEG zwischen Rathenow und Brandenburg. Am vierten und letzten Reisetag unternehmen wir am Vormittag eine Rundfahrt in die Uckermark von Berlin über Eberswalde nach Templin und zurück über Oranienburg, bevor wir am Mittag die Heimreise an den Bodensee antreten.
Wir starten am Bahnhof von Konstanz, der erste Zug unserer Reise ist ein Regional-Express auf der Schwarzwaldbahn. Knapp drei Stunden fahren wir mit dem Zug entlang des Bodensees sowie durch Hegau und Schwarzwald bis in den Oberrheingraben.

Regional-Express der Schwarzwaldbahn in Konstanz

Erste Klasse im Regional-Express der Schwarzwaldbahn

Blick auf den Bodensee bei der Fahrt über die Rheinbrücke von Konstanz

Fahrt auf der Schwarzwaldbahn

Unterwegs im Kinzigtal
In Baden-Baden wechseln wir vom Regionalzug auf einen ICE 4 nach Norden. Wir fahren mit dem Zug weiter durch die Oberrheinebene und das Hessische Ried nach Frankfurt am Main.

Erste Klasse im ICE 4

Blick aus dem Zugfenster in der Oberrheinebene

Querung des Mains in Frankfurt
Zu den Fahrzeugen, die wir auf dieser Tour nutzen wollen, gehören die Intercity-Züge auf der IC-Linie 34, die eigentlich in Frankfurt beginnt. Aufgrund von Bauarbeiten verkehren die Fernzüge an unserem Reisetag erst ab Friedberg. Daher fahren wir zunächst mit einer Regionalbahn dorthin.

Talent 2-Triebzug im Hauptbahnhof Frankfurt

Erste Klasse im Talent 2-Triebzug
Fahrt durch die Wetterau
In Friedberg wechseln wir auf den ersehnten Intercity. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde 1912-1913 in einer Mischung aus Neoklassizismus und Neorenaissance errichtet. Der vorherige Bahnhof, der etwa einen halben Kilometer entfernt lag, war damals zu klein geworden.
Bahnhof Friedberg (Hess)
Die IC-Linie 34 wurde im Dezember 2021 eingerichtet, es werden doppelstöckige Intercity 2-Züge des Herstellers Bombardier eingesetzt. Die Züge halten regulär nicht in Friedberg, der Fahrtbeginn hier ist rein den Bauarbeiten geschuldet. Die Strecke führt durch Mittelhessen und am Rande des Westerwalds nach Siegen.

IC2-Doppelstockzug in Friedberg

Erste Klasse im Intercity 2
Der Zug fährt zunächst auf der Main-Weser-Bahn nach Norden und wechselt vor Gießen auf die Dillstrecke. Der Fernverkehr hat sich auf dieser Strecke immer schwer getan, weder D-Züge noch Interregio-Verbindungen konnten sich dauerhaft halten, im Jahr 2002 verlor die Strecke erstmals den Fernverkehr. Ein privater InterConnex-Zug gab 2003 ein kurzes Gastspiel auf der Strecke, dem Eurocity Siegen-Zagreb war 2009 bis 2011 nur ein zweijähriges Intermezzo beschieden.
Ab Siegen befährt der Zug die Ruhr-Sieg-Strecke, sie führt für eine größere Etappe durch das Tal der Lenne und quert den Fluss mehrmals.
Blick aus dem Zugfenster im Taunus

Fehlerhafte Kartendarstellung auf dem Monitor im Zug

Querung der Lenne
Bei der Fahrt durch Altena geht der Blick über die Lenne hinauf zur Burg auf einem Bergsporn hoch über der Stadt, sie wurde im 12. Jahrhundert begründet. Die Bahnfahrt durch das Sieger- und Sauerland ist landschaftlich durchaus reizvoll.
Blick vom Zug auf die Burg Altena
Fahrt über Datteln-Hamm-Kanal und Lippe in Hamm
Unterwegs im südlichen Münsterland
Wir haben Münster als Zwischenstation unserer Reise eingeplant und übernachten hier. Zu den Wahrzeichen der Stadt gehört das historische Rathaus, Bekanntheit erlangte es während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück, welcher den Dreißigjährigen Krieg in Europa beendete. Bekannt ist Münster auch für den Prinzipalmarkt mit seinen gereihten Giebelhäusern und den St.-Paulus-Dom.

Historisches Rathaus von Münster

Prinzipalmarkt

St.-Paulus-Dom

Abendstimmung am Prinzipalmarkt
Bei einer Tour im Juli nach Österreich (Link zum Reisebericht) hatten wir am Stephansdom in Wien die leuchtende 'Himmelsleiter' der Künstlerin Billi Thanner entdeckt. Mittlerweile ist das Kunstwerk umgezogen und es gibt für uns ein Wiedersehen an der Lambertikirche.

Lambertikirche mit 'Himmelsleiter'
Wir starten am Hauptbahnhof von Münster in den zweiten Reisetag. Das Empfangsgebäude wurde 2017 nach umfassendem Umbau neu eröffnet. Wir wollen mit dem IC 2214 bis Niebüll fahren, der Zug kommt aus Köln und war in früheren Fahrplanperioden unter dem Beinamen 'Deichgraf' bekannt. Wir fahren durch Niedersachsen nach Hamburg und weiter auf der sogenannten Marschbahn in Richtung Sylt.

Hauptbahnhof Münster

Einfahrt des IC 2214 in den Hauptbahnhof Münster

Erste Klasse im IC-Großraumwagen

Fahrt durch das Tecklenburger Land

Ericusspitze in Hamburg vor dem Zugfenster

Unterwegs auf der Marschbahn

Querung des Nord-Ostsee-Kanals auf der Hochbrücke von Hochdonn

Blick aus dem letzten Wagen auf die Gleise

Fahrt am Außenhafen von Husum
In Niebüll verlassen wir den Intercity, zur Weiterfahrt nach Westerland wollen wir einen kuriosen Zug nutzen, nämlich das 'Sylt Shuttle plus'. Es handelt sich um einen Dieseltriebzug der Baureihe 628, die Fahrzeuge sind sonst ausschließlich im Regionalverkehr unterwegs. Für den Einsatz auf dieser Verbindung haben die Triebzüge ein rot-weißes Farbkleid erhalten. Anbieter dieser Zugverbindung ist DB Fernverkehr bzw. der Betreiber 'Sylt Shuttle Plus' mit speziellem Fahrpreis. Der Zug kommt aus Bredstedt und fährt weiter nach Westerland. Im Fahrplan wird die Verbindung als D-Zug geführt, es handelt sich um die letzten Züge dieser Gattung in Deutschland.

Sylt Shuttle plus als D 1432 im Bahnhof Niebüll
Seit 2016 hat die Deutsche Bahn beim Autotransport nach Sylt mit RDC Deutschland einen Konkurrenten. Da bei der Trassenvergabe Züge mit längeren Strecken bevorzugt werden, ersann die Deutsche Bahn eine List und erfand das 'Sylt Shuttle plus'. Der Zug fährt mit eigener Kraft von Bredstedt bis Niebüll, dort wird er an den Autozug nach Westerland angehängt und beschert somit der Deutschen Bahn eine Trasse für den Autozug aufgrund der verlängerten Strecke. In der Gegenrichtung läuft das Verfahren entsprechend.

Erste Klasse im Triebzug der Baureihe 628
Vom Bahnhof Niebüll fahren wir zunächst zurück in Richtung Süden zur Autoverladestation. Dort wird der Triebwagen ans Ende eines Autozugs rangiert, im Verbund fahren wir sodann erneut durch den Bahnhof Niebüll und weiter Richtung Hindenburgdamm.
Das 'Sylt Shuttle plus' (SSP) wurde mit dem Jahresfahrplan 2016 eingeführt. Die skurrile Verbindung hat es bis ins Fernsehen zur Satiresendung 'extra 3' geschafft. Während die meisten Regionalzüge von Niebüll bis Westerland 34 Minuten benötigen, ist das SSP mit seinen aufwändigen Manövern 58 Minuten unterwegs. Weil sie teurer und langsamer als der Regionalverkehr sind, gelten die SSP als 'Geisterzüge', es kursieren Angaben von durchschnittlich nur 1,5 Fahrgästen pro Zug.

Rangieren mit dem Sylt Shuttle plus ans Ende des Autozugs

Fahrt auf der Marschbahn
Sylt Shuttle plus am Ende des Autozugs

Unterwegs auf dem Hindenburgdamm

Blick durchs Zugfenster auf das Wattenmeer
Nach der Ankunft in Westerland wiederholt sich das Spiel, der Triebzug wird dort vom Ende des Autozugs abgekuppelt und fährt anschließend an den eigens für diese Verbindung errichteten Bahnsteig an Gleis 5.
In Westerland haben wir einen Aufenthalt für einen Spaziergang zum Strand eingeplant.

Strand von Westerland
Der Bahnhof Westerland ist die nördlichste Bahnstation Deutschlands, der Kopfbahnhof wurde im Jahr 1927 eröffnet. Das Empfangsgebäude aus Oldenburger Klinker erinnert an schleswig-holsteinische Guts- und Bauernhäuser, es steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Bahnhof Westerland

Empfangshalle Bahnhof Westerland
Mit dem Intercity 'Uthlande' fahren wir zurück auf das Festland. Der Begriff Uthlande steht für die dem Festland vorgelagerten Außenlande wie Inseln, Halligen und Marschen. Der Zug hat das Fahrtziel Berlin, wir fahren jedoch nur bis Niebüll.

Intercity im Bahnhof Westerland

Kirche von Keitum vor dem Zugfenster

Blick vom letzten Wagen auf den Hindenburgdamm

Unterwegs durch das Wattenmeer
Unweit des Bahnhofs von Niebüll liegen die Christuskirche und das Pastorat, ein reetgedecktes Backsteinhaus aus dem Jahr 1846. Die Christuskirche wurde 1728/29 anstelle einer zu klein gewordenen Vorgängerkirche aus dem 14. Jahrhundert errichtet.

Pastorat Niebüll

Christuskirche Niebüll
Von Niebüll fahren wir mit einem Regionalzug nach Husum. Auf der Strecke werden einstöckige Reisezugwagen vom Typ 'Married Pair' eingesetzt. Die Züge sind seit dem Jahr 2005 auf der Marschbahn unterwegs.

Bahnhof Niebüll

Erste Klasse im Married Pair-Wagen

Querung der Arlau

Blick aus dem Zugfenster auf die Marsch
In Husum wechseln wir auf einen Regionalzug nach Kiel, hier treffen wir auf einen Dieseltriebzug vom Typ LINT. Wir befahren zunächst die Nebenbahn nach Jübek, die Strecke führt durch die flache Geestlandschaft nordostwärts. Anschließend nutzt der Zug die Jütlandlinie, die Kopenhagen mit Hamburg verbindet.

LINT-Dieseltriebzug in Husum

Erste Klasse im LINT-Dieseltriebzug

Blick auf die Hafenpromenade von Rendsburg
Höhepunkt der Strecke ist - im wahrsten Sinne des Wortes - die Rendsburger Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal. Nach dem Halt am Bahnhof von Rendsburg befahren wir die Rendsburger Schleife. Wir unterqueren zunächst die Hochbrücke, anschließend durchfährt der Zug die 4,5 Kilometer lange Kreiskehrschleife, dabei überwindet er eine Höhendifferenz von 42 Metern.

Einfahrt in die Rendsburger Schleife unter der Hochbrücke

Fahrt auf der Rendsburger Hochbrücke
Gut drei Viertel der Schleife sind als Bahndamm ausgeführt, das letzte Stück vor der Hochbrücke ist ein Stahlviadukt. Mit knapp 2,5 Kilometern Länge war die Brücke 99 Jahre lang die längste Eisenbahnbrücke in Deutschland, sie wurde 2012 von der Unstruttalbrücke abgelöst - diese werden wir am vierten Reisetag befahren.

Querung des Nord-Ostsee-Kanals
Gegen 19 Uhr endet unser Bahntag in Kiel, hier haben wir die nächste Übernachtung eingeplant. Den Abend verbringen wir entlang der Hafenspitze Hörn an der Kieler Förde und in der Innenstadt. Wahrzeichen der Stadt ist der 106 Meter hohe Rathausturm.

Hafenspitze Hörn in Kiel

Rathaus Kiel

Abendstimmung an der Kieler Förde
Den dritten Reisetag beginnen wir am Hauptbahnhof von Kiel. Der Bahnhof am heutigen Standort wurde 1899 eröffnet, nachdem ein Vorgängerbau, der rund 500 Meter nördlich lag, zu klein geworden war. Nach schweren Kriegsschäden wurde das Empfangsgebäude ab 1950 in vereinfachter Form wiederaufgebaut.

Hauptbahnhof Kiel
Wir starten mit dem EC 379 'Berliner' in den Tag, die tschechische Garnitur wird von der Lok 'Frantiček' gezogen. Der Eurocity verkehrt von Kiel nach Prag, wir sind jedoch nur für eine Teilstrecke an Bord. Wir fahren durch die schleswig-holsteinische Geest nach Hamburg, von dort weiter auf der Hauptstrecke in Richtung Berlin.

Eurocity 'Berliner' im Hauptbahnhof Kiel

Erste Klasse im Großraumwagen der ČD

Zuglauf des EC 379 'Berliner'

Fahrt durch die schleswig-holsteinische Geest

Blick vom Zug auf die Binnenalster in Hamburg

Unterwegs in Mecklenburg
Der Bahnhof Wittenberge liegt fast genau in der Mitte der Bahnstrecke Hamburg-Berlin. Im Rahmen des Ausbaus der Strecke wurde der Bahnhof umfassend saniert, dabei verlor er seine Eigenschaft als Inselbahnhof. Wir wechseln hier auf den Regionalzug 'Prignitz-Express'.

Bahnhof Wittenberge

LINT-Dieseltriebzug 'Prignitz-Express' in Wittenberge
Die Prignitz ist eine ländlich geprägte Region im Nordwesten Brandenburgs zwischen Elbe und Mecklenburg. Die Landschaft besteht vor allem aus landwirtschaftlich geprägtem Flachland, Wäldern und Heide. Wir wollen heute einige der Bahnstrecken in diesem Landstrich erkunden.

Fahrt durch die Prignitz
Wir fahren mit dem 'Prignitz-Express' bis Wittstock. Der Ort empfängt die Fahrgäste mit gleich zwei Empfangsgebäuden, das jüngere der beiden Gebäude ist ein monumentaler Bau aus dem Jahr 1938. Die Wurzeln von Wittstock an der Dosse reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Die Kleinstadt ist geprägt von einem historischen Stadtkern mit mittelalterlichen Straßenzügen und Fachwerkhäusern.

Neues Empfangsgebäude am Bahnhof Wittstock

Altstadt von Wittstock
Den Mittelpunkt bildet der Marktplatz mit dem Rathaus, der neugotische Backsteinbau in der heutigen Form stammt aus dem Jahr 1905, beim Bau wurden Teile des Vorgängergebäudes integriert. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die St.-Marien-Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

Rathaus Wittstock

Spaziergang durch Wittstock

St.-Marien-Kirche
Nach der Rückkehr zum Bahnhof werfen wir einen Blick auf das ältere der beiden Empfangsgebäude. Der Ziegelbau stammt aus dem Jahr 1885. Mit dem nächsten Zug der Linie RE 6 - dem 'Prignitz-Express' - fahren wir zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Altes Empfangsgebäude am Bahnhof Wittstock

Einfahrt des Prignitz-Express in den Bahnhof Wittstock

Erste Klasse im Prignitz-Express

Unterwegs in der Prignitz
In Pritzwalk steigen wir aus, nun wollen wir die Bahnstrecke nach Meyenburg erkunden. Die Linie RB 74 wird von der Hanseatischen Eisenbahn (HANS) betrieben, wir treffen hier auf einen Dieseltriebwagen vom Typ LVT/S. Die Abkürzung steht für Leichtverbrennungstriebwagen/Schienenbus, die 100 km/h schnellen Fahrzeuge wurden 1996-1999 gebaut.
Wir fahren jetzt weiter durch die Prignitz nach Norden in Richtung der Grenze von Brandenburg zu Mecklenburg-Vorpommern. Die LVT/S-Triebzüge bieten die Möglichkeit für einen Blick auf die Strecke.

Triebzug von HANS im Bahnhof Pritzwalk

Im LVT/S-Dieseltriebzug

Fahrt durch die Prignitz

Blick auf die Strecke von Pritzwalk nach Meyenburg
Die Fahrt endet in Meyenburg, der weitere Streckenabschnitt in Richtung Plau am See wird nur saisonal bedient. Bis zur Rückfahrt haben wir nun eine halbe Stunde Zeit um Meyenburg zu erkunden. Der 2.000-Einwohner-Ort liegt an einer alten Handelsstraße, heute ist die Stadt für die Möbelfabrik bekannt, in der die Billy-Regale für IKEA hergestellt werden.

Bahnhof Meyenburg

Wilhelmsplatz Meyenburg

Marktstraße in Meyenburg

Turm der Stadtkirche
Im Jahr 2022 wurden Überlegungen des Landes Brandenburg bekannt, den Zugverkehr von Meyenburg nach Pritzwalk und weiter Richtung Neustadt/Dosse abzubestellen. Ein Banner im Zentrum von Meyenburg fordert den Erhalt der Verbindung.

Banner zum Erhalt der Bahnstrecke von Meyenburg nach Neustadt/Dosse
Meyenburg wurde 1887 an das Bahnnetz angeschlossen, die Verbindung brachte der Stadt einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung. Im historischen Kontext reicht die Bahnstrecke von Meyenburg über Pritzwalk hinaus bis Neustadt/Dosse, die Strecke wurde 1887 von der Preußischen Staatsbahn eröffnet. Der Abschnitt Meyenburg-Pritzwalk wurde 1946 als Reparationsleistung demontiert aber schon 1949 wieder aufgebaut. Wir treten nun die Rückfahrt nach Pritzwalk an.

Bahnhof Meyenburg

LVT/S-Triebwagen in Meyenburg

Blick auf die Gleise von Meyenburg nach Pritzwalk
Zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn wurde die Strecke teilweise durchgehend von Neustadt bis Güstrow befahren, in den 1950er und 1960er-Jahren gab es sogar Fernzüge durch die Prignitz, etwa von Rostock nach Karl-Marx-Stadt oder von Rostock nach München.
Das Bahnhofsgebäude von Brügge stammt aus der Eröffnungszeit der Bahnlinie, es steht wie eine Reihe anderer Bauten an der Strecke auf der Denkmalliste. Deutlich jünger ist der Haltepunkt Hainholz, er liegt bei einem städtischen Waldpark und ging 2006 für den Ausflugsverkehr in Betrieb.

Bahnhof Brügge

Blick aus dem Zugfenster auf die Landschaft der Prignitz

Haltepunkt Hainholz
Wir wollen anschließend auch den Südabschnitt der Strecke von Pritzwalk bis Neustadt erkunden. Da die Regionalbahn-Linien in Pritzwalk gebrochen sind, heißt es nun umsteigen. Als Nebenbahnknotenpunkt verfügt der Bahnhof Pritzwalk über ein stattliches Bahnhofsgebäude. Die Anlagen des Bahnhofs wurden 1945 bei der Explosion eines Munitionszugs zerstört, das heutige Empfangsgebäude wurde 1955 eröffnet.

Empfangsgebäude Bahnhof Pritzwalk

Empfangshalle
Auch die Linie RB 73 von Pritzwalk nach Neustadt wird von HANS betrieben, hier wird ebenfalls ein Fahrzeug vom Typ LVT/S eingesetzt. Wir befahren nun den Südabschnitt der insgesamt knapp 64 Kilometer langen Strecke von Meyenburg bis Neustadt. Auch ein Teil dieser Strecke wurde 2022 aus dem Landesnahverkehrsplan gestrichen.

Dieseltriebzug von Pritzwalk nach Neustadt/Dosse

Innenraum LVT/S-Triebzug

Fahrt südlich von Pritzwalk
Am Bahnhof Bölzke war einst die Abfertigung von Personen, Reisegepäck und Wagenladungsgütern möglich. 2019 wurde der Bahnhof in einen Haltepunkt umgewandelt. Weit ab von der Zivilisation liegt der Haltepunkt Rosenwinkel, er wurde 1905 eröffnet. Das namensgebende 100-Einwohner-Dorf liegt rund zwei Kilometer entfernt.

Bahnhof Bölzke

Blick aus dem Zugfenster der RB 74

Haltepunkt Rosenwinkel
Deutlich jünger ist der Haltepunkt Kyritz Am Bürgerpark aus dem Jahr 2019. Der Streckenabschnitt von Kyritz bis Neustadt steht unter besseren Vorzeichen, hier wird eine Elektrifizierung für umsteigefreie Verbindungen von und nach Berlin diskutiert.

Haltepunkt Kyritz Am Bürgerpark
Mit dem Bahnhof Neustadt (Dosse) erreichen wir einen Knotenpunkt an der Berlin-Hamburger-Bahn. Das klassizistische Empfangsgebäude hat schon bessere Zeiten gesehen. Unser nächstes Ziel ist Rathenow. Bis zum Jahr 2003 gab es mit der Brandenburgischen Städtebahn eine Verbindung von Neustadt nach Rathenow, diese Strecke ist mittlerweile jedoch stillgelegt und abgebaut. Daher fahren wir nun mit dem RE 2 von Neustadt nach Berlin-Spandau und von dort mit dem RE 4 nach Rathenow. Beide Linien werden von der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) mit doppelstöckigen KISS-Triebzügen bedient.

Empfangsgebäude Bahnhof Neustadt (Dosse)

Einfahrt eines KISS-Triebzugs der ODEG in Neustadt

Erste Klasse im KISS-Triebzug der ODEG

Fahrt durch das Havelland
Unsere Fahrt nach Rathenow hat einen bestimmten Grund. Und zwar sind hier die vor der Ablösung stehenden Dieseltriebzüge vom Typ GTW der ODEG anzutreffen. Die ODEG besitzt sechs dieser Fahrzeuge, sie werden u.a. auf der Linie RB 51 eingesetzt. Wir fahren mit einem dieser Züge auf dem verbliebenen Abschnitt der Brandenburgischen Städtebahn von Rathenow nach Brandenburg.

Gelenktriebwagen (GTW) der ODEG in Rathenow

Innenraum des Gelenktriebwagens der ODEG

Blick aus dem Zugfenster zwischen Rathenow und Brandenburg
Während der Fahrt setzt die Dämmerung ein, bei Dunkelheit fahren wir anschließend mit einem Regional-Express von Brandenburg nach Berlin. In Berlin haben wir die nächste Übernachtung eingeplant.

Erste Klasse im Doppelstockwagen zwischen Brandenburg und Berlin

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin
Für den heutigen Vormittag haben wir eine Rundfahrt von Berlin in die Uckermark geplant, bevor wir am Nachmittag die Rückfahrt an den Bodensee antreten. Vom Berliner Hauptbahnhof fahren wir zunächst mit einem Regionalzug nach Eberswalde, die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde und führt über die Barnimhochfläche.

Hauptbahnhof Berlin

Einfahrt des RE 3 im Tiefgeschoss des Hauptbahnhofs Berlin

Querung des Schifffahrtskanals in Berlin

Erste Klasse im Doppelstockwagen von Berlin nach Eberswalde

Fahrt über die Barnimhochfläche
In Eberswalde wechseln wir auf einen Zug der Linie RB 63, zur Fahrt nach Templin Stadt steht ein Regioshuttle-Dieseltriebwagen der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) bereit. Der Zug befährt bis Britz die Stettiner Bahn, ab dort geht es weiter auf der Schorfheide-Bahn nach Norden.

Regioshuttle-Dieseltriebzug der NEB in Eberswalde

Innenraum Regioshuttle-Dieseltriebzug der NEB

Fahrt auf der Schorfheide-Bahn
Die Schorfheide-Bahn ist eine eingleisige Nebenbahn, sie wurde 1898/99 eröffnet. Zu den prominentesten Nutzern gehörte Kaiser Wilhelm II. für die Anreise zum Jagdschloss Hubertusstock. Hierfür wurde in Joachimsthal der Kaiserbahnhof errichtet, wo die Hof- und Jagdgesellschaften von den kaiserlichen Salonwagen in Kutschen umsteigen und bequem auf kurzem Wege zum Jagdschloss gelangen konnten. Der Bahnhof besteht heute aus zwei repräsentativen Gebäuden, früher gehörte noch ein Hotel zu dem Ensemble, dieses brannte jedoch ab.

Kaiserbahnhof Joachimsthal (Kaiserpavillon)
Neben dem Kaiserpavillon liegt das etwas kleinere Empfangsgebäude. Zu DDR-Zeiten verfielen die Gebäude langsam. Als sich Helmut Schmidt 1981 zum Besuch ankündigte, begann man mit einer äußerlichen Sanierung. Diese Arbeiten fanden jedoch ein abruptes Ende als bekannt wurde, dass der Kanzler gar nicht mit dem Zug anreist. Mittlerweile sind die Gebäude denkmalgerecht in der ursprünglichen Farbgebung restauriert.

Empfangsgebäude am Kaiserbahnhof Joachimsthal
Kurz darauf folgt der nächste Halt am bürgerlichen Bahnhof von Joachimsthal, der näher am Zentrum der Kleinstadt liegt. Hier findet die Kreuzung mit dem Gegenzug statt.
Die Bahnstrecke verläuft teilweise am Rand der Schorfheide, vor rund 12.000 Jahren befand sich hier der Gletscherrand der letzten Eiszeit.

Bahnhof Joachimsthal

Fahrt durch die Schorfheide
Über viele Jahre gab es auf der Strecke einen durchgehenden Personenzug von Frankfurt (Oder) bis Schwerin, er führte auch Wagen Moskau-Schwerin, die jedoch nur für sowjetische Militärangehörige nutzbar waren. Diese Ära endete 1991, allgemein brachen nach der Wende die Verkehrsleistungen auf der Strecke ein.
Auf dem Streckenabschnitt von Joachimsthal bis Templin findet seit Dezember 2018 ein Probebetrieb statt, nachdem die Strecke zuvor bereits mehrere Jahre ohne Personenverkehr war. Wenn während des Probebetriebs die geforderten Fahrgastzahlen nicht erreicht werden, endet der Betrieb auf dem Streckenabschnitt von Joachimsthal nach Templin Ende 2022.

Blick aus dem Zugfenster zwischen Joachimsthal und Templin

Werbebanner für die Fortführung der RB 63 am Bahnsteig in Templin
Templin liegt im Norden Brandenburgs, trotz ihrer nur rund 16.000 Einwohner ist sie flächenmäßig die achtgrößte Stadt Deutschlands. Die 'Perle der Uckermark' lädt mit einer historischen Altstadt und einer mittelalterlichen Stadtbefestigung zu einem Zwischenstopp ein.

Berliner Tor in Templin
1735 wurde die Ortschaft durch einen verheerenden Stadtbrand in Trümmer gelegt. Beim Neuaufbau wurde ein schachbrettartiges Straßennetz angelegt, in jener Zeit entstanden zahlreiche zweigeschossige Fachwerkhäuser. Auch die Maria-Magdalenen-Kirche in der heutigen Form entstand nach dem Stadtbrand. 1970 wurde die spätere Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Kirche konfirmiert.

Maria-Magdalenen-Kirche

Fachwerkhäuser in Templin

Am Ufer des Templiner Sees
Der Templiner Marktplatz wurde im 13. Jahrhundert an der Kreuzung wichtiger mittelalterlicher Handelsstraßen angelegt, auch er bekam nach dem großen Stadtbrand ein neues Gesicht. Das Rathaus wurde im Stil des Barock wiedererbaut.

Rathaus

Straßenzug in der Altstadt
Templin hat zwei Bahnhöfe, am zentrumsnäheren Bahnhof Templin Stadt setzen wir unsere Rundfahrt fort. Zur Fahrt auf der Linie RB 12 wartet ein Link-Dieseltriebzug der NEB. Wir befahren nun die Nebenbahn von Templin nach Löwenberg, die eingleisige und nicht elektrifizierte Strecke wurde 1888 eröffnet.

Bahnhof Templin Stadt

Link-Triebzug der NEB im Bahnhof Templin Stadt

Im Link-Triebzug der NEB

Blick vom Zug auf Hammelspring mit der Dorfkirche von 1820
Bei Zehdenick führt die Strecke durch eine Landschaft künstlicher Teiche und Seen. Sie entstanden aus Tonstichen, wo Tonerde im Tagebau abgebaut wurde. Beim Bau der Bahnstrecke wurden große Tonvorkommen entdeckt, um das Jahr 1900 war hier eines der größten Ziegeleireviere Europas.

Fahrt entlang von ehemaligen Tonstichen
Während andernorts beim Blick aus dem Zugfenster vielleicht Störche zu entdecken sind, gilt Brandenburg als Kranichland. In den moorig-feuchten Gebieten zwischen Schorfheide und den uckermärkischen Seen finden sich hohe Brutbestände, während des Vogelzugs rasten die Vögel ebenfalls gerne in Brandenburg.

Kraniche vor dem Zugfenster
Am Bahnhof von Oranienburg steigen wir um auf einen Regionalzug der Linie RE 5. Für die Fahrt auf der Berliner Nordbahn treffen wir auf einen Doppelstocktriebzug der Baureihe 445 (Twindexx Vario).

Bahnhof Oranienburg

Doppelstocktriebzug der Baureihe 445 (Twindexx Vario) in Oranienburg

Fahrt durch die Havelniederung

Erste Klasse im Doppelstocktriebzug der Baureihe 445
Schließlich erreichen wir wieder den Berliner Hauptbahnhof, wo wir am Morgen in den Tag gestartet waren. Jetzt bleibt Zeit für einen Spaziergang über die Spree ins nahegelegene Regierungsviertel.

Reichstagsgebäude Berlin

Spree beim Berliner Hauptbahnhof

Hauptbahnhof Berlin
Für die Heimfahrt von Berlin an den Bodensee wählen wir eine Route über Nürnberg. Mit einem ICE 1 fahren wir zunächst auf der Anhalter Bahn nach Halle, ab dort befährt der Zug die Neubaustrecke nach Erfurt.

ICE 1 im Tiefgeschoss des Berliner Hauptbahnhofs

Fahrt zwischen Berlin und Bitterfeld

Blick vom Zug auf den Bergfried von Hohenthurm östlich von Halle
Auf der Neubaustrecke Halle-Erfurt befahren wir die Unstruttalbrücke. Das Bauwerk nahm im Jahr 2012 der Rendsburger Hochbrücke den Titel der längsten deutschen Eisenbahnbrücke ab, wurde aber im Folgejahr schon von der Saale-Elster-Talbrücke abgelöst. Nach dem Halt in Erfurt nutzt der Zug die Schnellfahrstrecke nach Nürnberg.

Unterwegs auf der Unstruttalbrücke

Froschgrundsee an der Grenze von Thüringen zu Bayern

Fahrt durch die Ausläufer des Thüringer Walds
Von Nürnberg fahren wir über Donauwörth, Ulm und Friedrichshafen zurück nach Konstanz, auf dieser Etappe sind keine weiteren Bilder entstanden.
Am späten Abend endet damit eine interessante Rundfahrt, die in Teilen in absehbarer Zeit so nicht mehr wiederholbar sein wird.
Dies ist eine privat betriebene Hobby-Seite. Zum Impressum. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehme ich keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt von verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.